Igel gefunden - was nun?
Wir nehmen keine Igel auf und päppeln keine Igel!
Dennoch halten wir einen Ratgeber für den Fall für sehr wichtig.
In Zusammenarbeit mit Igelstationen und Päppelstellen haben wir die wichtigsten Punkte zusammengetragen.
Einen Igel zu finden, der Hilfe zu brauchen scheint, kann einen ganz schön verunsichern.
Vielleicht bist du nervös und weißt nicht, was du tun sollst.
Das ist völlig verständlich.
Versuch trotzdem, erst einmal Ruhe zu bewahren.
In den meisten Fällen gibt es eine Lösung – und du musst nicht alles allein wissen oder entscheiden.
Wichtig ist, dass du nicht einfach wegschaut, sondern genauer hinsiehst.
Nicht jeder Igel den man sieht braucht Hilfe, aber leider sehr viele. Hier ist eine Liste worauf man achten sollte:
BRAUCHT DER IGEL HILFE?
Wichtig: Wildtiere nicht mit bloßen Händen anfassen und auf die Hygiene achten!
Ist der Igel eingeklemmt oder eingesperrt?
Akute Lebensgefahr für den Igel!
Tagsüber unterwegs?
Dies KANN ein Indiz für ein Problem sein.
Haben die Ohren oder Augen Krusten?
Das ist wahrscheinlich ein Milbenbefall.
Hat der Igel Verletzungen oder eine Umfangsvermehrung?
Bitte auf Fliegeneier und Maden achten.
Akute Lebensgefahr für den Igel!
Schreit der Igel?
-Dieses Geräusch ist unverkennbar-
Akute Lebensgefahr für den Igel!
Sind Fliegeneier oder Maden vorhanden?
Fliegeneier sehen aus wie kleine weiß-gelbe Reiskörner. Akute Lebensgefahr für den Igel
In der Winterzeit unterwegs?
Zwischen Mitte November und Mitte Februar
Hat der Igel Atemgeräusche?
Keuchen, Röcheln, Niesen, Husten/Bellen oder Hecheln.
Achtung: Igel knurren oder fauchen gerne mal 😉
War/Ist der Igel in Seitenlage?
Akute Lebensgefahr für den Igel!
Ist er dehydriert?

Bleibt eine Hautfalte stehen?
KEIN WASSER EINFLÖSSEN!
Akute Lebensgefahr für den Igel!
Rollt er sich nicht ein?
Meistens bereits zu geschwächt.
Hat er kahle Stellen im Stachelkleid?
Oft ein Hautpilz oder Milben.
Somit ist der Igel ohne jeglichen Schutz und natürlich schmerzt und juckt das.
Hat er neurologische Probleme?
Ständig im Kreis laufen, Gleichgewichtsstörungen.
Oft ausgelöst durch einen Schlag auf den Kopf oder gar Gift.
Aktute Lebensgefahr für den Igel!
Ist es ein alleingelassenes Baby?
Unter 180 g = Baby
Unter 300 g = Kind
Akute Lebensgefahr für den Igel!
Würden wir einen Igel mit 350 g mitnehmen? -> Ja, damit eine Igelstation grünes Licht geben kann.
Wenn nur EINE dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet werden konnte, braucht der Igel deine Hilfe!
Warum der Tierarzt oft die falsche Wahl ist
Die meisten Tierärzte sind Spezialisten für Haustiere – nicht für Wildtiere!
Wenn wir einen verletzten oder schwachen Igel finden, ist unser erster Reflex meistens:
Ab zum Tierarzt!
Doch was gut gemeint ist, bedeutet für das Tier leider oft das Todesurteil.

Fehlendes Spezialwissen:
Im normalen Tiermedizin-Studium werden Wildtiere kaum behandelt. Viele Tierpraxen kennen die hochspezifischen Dosierungen, Krankheiten und Parasiten von Igeln nicht.
Leider zeigt uns die Erfahrung, dass Wissenslücken nicht eingestanden werden.

Gefährliche Medikamente:
Häufige Routinemaßnahmen, wie bestimmte Spot-On-Präparate gegen Flöhe oder falsche Entwurmungsmittel, sind für einen geschwächten Igel tödlich.

Euthanasie statt Pflege:
Da Wildtiere laut Gesetz "herrenlos" sind und Tierärzte Behandlungen oft nicht abrechnen können, wird im Zweifel viel zu schnell eingeschläfert, obwohl das Tier auf einer Pflegestelle gerettet werden könnte. Bei Tieren die bereits auf der roten Liste stehen ist das fatal.
Es gibt Igelkundige Tierärzte, aber sie sind rar.
Wir haben versucht in den letzten zwei Jahren eine Liste mit Igelkundigen Tierärzten zusammen zu stellen – leider ohne Erfolg!
Die Lösung: Gehen Sie direkt zu den Profis!
Igel benötigen die Hilfe von spezialisierten Igelstationen und Wildtierpflegern, die jahrelange Erfahrung mit der Aufzucht und medizinischen Versorgung dieser Tierart haben
Unser dringender Appell: Nutzen Sie bitte die kostenlose App Wildtier SOS
Die App führt Sie durch wenige Fragen, schätzt den Zustand des Igels (oder andere Wildtiere) fachkundig ein und zeigt Ihnen per GPS sofort die nächste, geprüfte Hilfe in Ihrer Umgebung an. So bekommt das Tier die Hilfe, die es wirklich zum Überleben braucht
